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Neben den Garagentoren ist eine graue Tür, dort gehen wir rein, ein langer Gang führt uns nach unten, bis wir vor einer weiteren Tür stehen. Es blitzt zwei Mal, die ersten Fotos sind im Kasten. Für den privaten Gebrauch dürfen wir fotografieren, Veröffentlichungen sind aber nicht erlaubt. Noch heute kommen die meisten Eindrücke nicht ans Tageslicht, Genehmigungen werden nur selten erteilt. Harry Lausch dreht einmal kräftig an dem Schließmachanismus der massiven Bunkertür, ein metallisches, lautes Geräusch hallt durch den Gang. Wir treten ein. An der Wand hängt ein großes Foto vom zerbombten Dortmund. Im Hals regt sich ein Schluckreflex. Wir sind froh, nur für eine Führung hier zu sein und hoffen, solch einen Ort niemals für den vorgesehenen Zweck betreten zu müssen.

Die Zeit steht still

Eine massive Tür weiter erwartet uns ein Empfangstresen, darauf ein Schild „Bunkerwart“. Ein Hauptberuf? – „Damals sicherlich schon“, erzählt Harry Lausch, „heute aber nicht mehr“. Dabei ist er für eine kleine unterirdische Stadt verantwortlich, wie der Plan an der Wand zeigt. Für alles war damals gesorgt, im Ernstfall hätten hier über 100 Personen leben müssen. Und für alles gibt es auch heute noch einen Raum mit entsprechender Einrichtung. Einiges funktioniert noch, anderes wurde von der Zeit überrollt, so auch die Uhr, die im Aufenthaltsraum fünf vor sieben anzeigt. „Hier scheint die Zeit still zu stehen, manchmal komme ich aber rein und der Zeiger war einige Minuten weiter gesprungen; in manchen Wochen bewegt er sich kein Stück“ – Unser Bunkerwart lässt keine Ecke aus. Alles, was zu retten war, blieb so erhalten und alles schauen wir uns an: Kartons mit Unterwäsche, gefüllte Aschenbecher, die Lüftungsanlage und die Betten. Ein Probeliegen? – Natürlich, auch das dürfen wir. Bequem ist etwas anderes. Wirklich übernachten musste hier aber wohl niemand, denn der Bunker war erst kurz vor Kriegende fertig geworden. Wie wurde es geschafft, diese Beton- und Stahlmassen unauffällig dorthin zu bekommen und zu verbauen? – Es ist bis heute ein Rätsel, dem Harry Lausch weiterhin auf der Spur ist.

Die Pause geht nicht vorbei

 Spuren aus dem Jahr 1992 finden wir zuhauf im Führungsraum – das Herzstück der Bunkeranlage. Es scheint, als würde hier noch gearbeitet werden. Das Stabspersonal, die Fachdienstleiter für Polizei, Sanitätsdienst, Bergung und noch viele andere sind anwesend, auch das Tischkärtchen des Regierungspräsidenten steht auf dem Besprechungstisch. Sie müssen wohl gerade in der Pause sein. Wenn sie zurückkehren, werden sie schimpfen, dass wir in ihren liegengelassenen Unterlagen schnüffeln. Wir haben noch etwas Zeit, die Uhr zeigt 17:14 Uhr, es ist Dienstag, der 9. April. In der abgetrennten Sachbearbeitung ist es kurz vor halb vier. Der Raum ist so sicher, dass es selbst die Anglizismen noch nicht hinein geschafft haben. Auf dem Tisch liegt ein Kopfsprechhörer direkt neben seiner originalen Verpackung. Er ist etwas vergilbt und natürlich noch ohne Bluetooth-Verbindung – Als Headset würde dieses Teil heute niemand bezeichnen, der Kopfsprechhörer soll aber mal genauso funktioniert haben. An Apparat Nummer 32 steht: „Hörer abnehmen – Kurbel drehen. Meldung abwarten“, darüber gelangten wichtige Warnungen direkt zum Krisenstab. Daneben konnte sofort das „Ferntasttongerät“ betätigt werden. Noch ein Wort, das nun durch ein englisches ersetzt wurde? – Wenn ja, dann würde selbst das heute kaum jemand kennen, denn damit wurden die Warnsirenen in der ganzen Stadt betätigt – und diese sind längst verschwunden.

Wie im Horrorfilm

 Viertel nach drei, eine Minute nach sieben, zehn nach sechs, zwölf nach fünf – unsere Zeitreise führt uns durch das Büro des Oberbürgermeisters, durch die Funkzentrale, durch Besprechungsräume und durch die Telefonzentrale. Überall sind Gerätschaften, die aussehen, als könne man diese Zeitmaschine damit steuern. Wären sie nur funktionstüchtig!

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Im Sanitätsraum werden wir in die dreißiger Jahre geschickt. Das erkennen wir nicht an einer Uhr, sondern an dem OP-Stuhl. Harry Lausch knipst nur die OP-Leuchte an, ein horrormäßiges Szenario. Aus welchem Film kommt diese Szene? Wenige Minuten später erreichen wir wieder die Rampe, die uns auch hinein geführt hat. Tageslicht, frühlingshafte Temperaturen, ein befreiendes Gefühl. Es ist der 14. Februar 2015, 14 Uhr 30, die Smartphones bimmeln – Was haben wir nicht alles in den zweieinhalb Stunden verpasst.

Ein Bunker unter dem Bunker

 Harry Lausch ist aber noch nicht fertig. Es gibt da noch etwas zu sehen! Er führt uns durch Gestrüpp an dem grauen Beton vorbei. Auf dem Boden liegen hunderte Schnapsflaschen. Ein weiterer Eingang liegt vor uns. Hinter der Tür geht es eine steile Treppe hinab – noch tiefer als die Räumlichkeiten, in denen wir zuvor waren. Es gibt kein Licht, aber wofür haben wir denn Taschenlampen-Apps? Wir betreten den Bunker unter dem Bunker. Ein Luftschutzstollen, der die Angehörigen der Mitarbeiter schützen sollte. Wir tragen Gummistiefel, denn in den Gängen steht Wasser; das hatte man uns vorher angekündigt. Allerdings fehlte die Information, dass die Stiefel kniehoch sein sollten. Und da Wassersportler nicht gerne nasse Füße haben, hört die Führung für einige hier auf. Als Entschädigung lässt uns Harry Lausch auf das Gerüst, welches auf dem Bunkerdach steht. Oben können wir die Aussicht über Dortmund genießen, die bald Penthouse-Wohnungen des Bauprojekts „Südtribüne“ haben werden. Ob diese genauso vom Straßenlärm isoliert sind wie der Bunker?

{jb_info}Wegen des großen Interesse werden wir noch einmal gemeinsam mit dem SV Hellas die Bunkerführung anbieten. Den Termin werdet ihr nicht verpassen, wenn ihr unsere Facebook-Seite abonniert oder unsere kostenlose Smartphone-App herunterladet. Diese gibt’s für Android und IOS im App-Store eurer Handys. Alternativ könnt ihr schon euer Interesse über eine E-Mail an soziales@svwestfalen.de mitteilen.{/jb_info}

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