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Uwe Weckelmann

M I T T E I L U N G E N

des

S C H W I M M V E R E I N

„Westfalen“ D O R T M U N D e.V.

Postscheck — Konto 7845 Dortmund

Anschrift des Vereins: Jakob Grosber, Dortmund, Ostwall 14

11 Jahrgang    Dortmund, 1. November 1936   Nr. 11

S P R U C H   D E S   M O N A T S !

“Wir marschieren in rapider Schnelligkeit bewegten Zeiten entgegen. Sie erfordert Männer von entschlossener Härte und keine schwächlichen Spießer. Sie wird die Menschen nicht messen nach oberflächlichen gesellschaftlichen Manieren, sondern nach der Güte und Härte ihres Charakters in den Zeiten schwerer Belastungen. Die Partei hat jetzt mehr noch als früher dafür Sorge zu tragen, daß in unser Volk harte Auffassungen kommen und daß besonders ein unerbittlicher Krieg angesagt wird jeder Spur von jener erbärmlichen Klugheit, die Clausewitzt gegeißelt hat als schlimmstes Symptom der Feigheit. Wir gehen großen geschichtlichen Perioden entgegen, in solchen Zeitläuften hat noch nie die bloße Klugheit triumphiert, sondern stets der tapfere Mut.“

Der Führer auf dem Parteitag der Ehre.

T E R M I N K A L E N D E R .

Sonnabend, 7.November, 20,30 Uhr im Südbad:

Wettschwimmen der älteren des Gebietes West

Sonntag, 29.November, 15 Uhr im Nordbad:

Schwimmfest des Kreises Dortmund zugunsten der Winterhilfe.

Sonntag, 6.Dezember, 15,30 Uhr im Südbad:

Klubvierkampf der Jugend von Düsseldorf, Elberfeld, Erkenschwick und Dortmund.

 

A C H T U N G !                                                                                               A C H T U N G !

Liebe Westfalen! Am Sonnabend, den 7. November, 20,30 Uhr findet im Südbad ein Schwimmfest, der älteren Männer des Gebietes West statt. Die Eintrittspreise sind: RM 0,50 Sitzplatz, RM 0,25 Stehplatz einschl. Sportgroschen.

An dem Ehrentage unserer alten Wettkämpfer aus Westdeutschland erwarten wir Euch alle! Besonders unsere Jugend muß an diesem Tage vollzählig zur Stelle sein.

Nach Schluß der Wettkämpfe findet in den oberen Räumen des “Nordstern” am Markt ein

H e r r en — K o m m e r s

statt.

29.November 1936                                                                                                           29.November 1936

Schwimmfest zugunsten der Winterhilfe
im Nordbad um 15 Uhr.

Alle Westfalen müssen diese Veranstaltung unterstützen.


Der Schriftleiter erhielt von unserm unermüdlichen Rudi L i n k e 3 Berichte aus der Jugendabteilung, die interessant und mit großer Liebe zu unserm Verein -und der Schwimmsache geschrieben sind. Heinz M ü h l e läßt das Olympische Jugendlager der Schwimmer vor uns erstehen, Franz E v e r s berichtet über den Klubvierkampf in Elberfeld und Artur K ü p e r über das Schwimmfest in Witten. Die jugendlichen Einsender dürfen überzeugt sein, daß wir Älteren mit großem Interesse von ihren Gedanken und Kämpfen lesen. Das mag ihnen für ihren Fleiß der beste Lohn sein!

O L Y M P I A – Z E L T L A G E R .

Vieles hat man von den Olympischen Spielen schon gelesen, manches ist uns von die sen großen Tagen schon erzählt worden und dennoch erscheinen immer wieder neue Berichte über die Olympiade 1936. Wie ist das zu erklären? Ganz einfach dadurch, daß eben jeder diese ereignisreichen Wochen anders erlebt und Geschehnisse in unserer Reichshauptstadt jeder von einem anderen Standpunkt aus verfolgt hat. — Ich möchte nun im folgenden erzählen, wie unsere Jugend diese Tage erlebt hat.

Für die Fußballer, Handballer, Turner und Schwimmer hatte man in Berlin an der Heerstraße Zeltlager errichtet, in denen die Sportjugend untergebracht war. Der S.V. “Westfalen” hatte 16 Mann für dieses Lager ausersehen und stellte somit die stärkste Gruppe unseres Gaues. Lange Vorbereitungen waren erforderlich und viel Kleinarbeit war zu leisten, bis alles startbereit war und wir danken es unserem Jugendleiter, seinem Stellvertreter und unserem Kassierer, daß sie für uns alle Schwierigkeiten in finanzieller und organisatorischer Hinsicht beseitigt haben.

Am Samstag, den 8. August um 23 Uhr bestiegen unter Leitung von Fritz Bierbrodt den vom Norddeutschen Lloyd zusammengestellten Sonderzug, der uns für die zweite Woche der Olympiade nach Berlin brachte. Bereits in Soest eroberten wir uns ein eigenes Abteil. Leider war es der letzte Wagen des endlos langen Zuges, was sich später sehr unangenehm bemerkbar machte. Denn unser Abteil schaukelte derart hin und her, daß wir beim Schlafen ständig Gefahr laufen mußten, von unserem Platz herunterzufallen. —Bald hatten wir uns häuslich eingerichtet. Unter Begleitung von Artur Küper übten wir die verschiedenen Lieder, die natürlich den meisten von uns noch völlig unbekannt waren. Selbst die Pennäler, die bereits 8 Tage Ferien hinter sich hatten, hatten nicht die Zeit gefunden, die Lieder auswendig zu lernen. Unsere Stimmung auf der neunstündigen Fahrt war ausgezeichnet. Dafür sorgte u.a. auch unser O. Iffland. Wie es eigentlich passiert ist, weiß niemand. Auf jeden Fall rann ihm plötzlich der halbe Inhalt seiner Feldflasche über das frischgebügelte Hemd in die Hose hinein. In Berlin passierte ihm dann derselbe Fall noch einmal. Im Gedränge hat ihm jemand eine Tasse Kaffee über sein Staatshemd gegossen. Das war natürlich noch viel schlimmer, denn das weiße Hemd mit dem Reichsbundabzeichen mußten wir stets bei unseren täglichen Ausmärschen tragen. Zunächst hat er versucht, die Kaffeeflecke durch seine sämtlichen Orden und Ehrenzeichen zu verdecken. Später sah er sich jedoch gezwungen, das Hemd einer eigenhändigen Reinigung zu unterziehen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spaß nicht zu sorgen. Das ist immer so.— Als der Morgen dämmerte, konnten wir die erfreuliche Feststellung machen, daß eine Wetterbesserung eingetreten war. Während das Wetter in den ersten 8 Tagen sehr zu wünschen übrig ließ, stand die zweite Hälfte der Spiele, mit Ausnahme eines verregneten Tages, im Zeichen lachenden Sonnenscheines. Am Potsdamer Bahnhof angekommen, wurden wir gleich unter Führung eines Berliner Schwimmkameraden mit der S—Bahn nach Pichelswerder gebracht, wo wir dann unser Lager auf dem nächsten Umweg erreichten. Für die Schwimmer hatte man einen wunderschönen Platz ausfindig gemacht. Während die anderen Lager zum Teil direkt an der Straße lagen, befand sich unser Zeltplatz mitten in einem Kiefernwald. Auf einer etwas erhöhten Lichtung hatte man die Zelte errichtet. Von hier aus hatten wir eine fabelhafte Aussicht auf den Stössensee, der uns zum Baden freigegeben worden war. Unzäh1ige Segelboote belebten den langgestreckten See, der für jeden Wassersportler ein wahres Paradies darstellt. Um der Kritik gerecht zu werden, darf ich nicht verschweigen, daß in den ersten Tagen nicht alles so klappte, wie es wohl hätte sein müssen. Der Jugendschwimmer meldete uns schon vor unserer Abreise, daß alles für unseren Einzug bereit sei; die Zelte brauchten nur noch bezogen zu werden. Wir mußten unser Zelt jedoch erst noch aufbauen. Das war keine leichte Arbeit. Da wir keinen “Architekten” unter uns hatten und auch von der Lagerleitung keine Anleitungen erhielten, mußten wir uns redlich quälen, bis wir endlich unsere Behausung einigermaßen hergerichtet hatten. Unser. Zelt stand erst am zweiten Tag ordnungsmäßig, da man uns die erforderlichen Heringe erst beschaffen mußte. 10—12 Mann sollten in einem Zelt Unterkunft finden. Wir schliefen mit 16 Mann unter einem Dach. Allerdings fanden auch 17 Mann Platz bei uns. — Eines Nachts bekamen wir von einem Schlafwandler Besuch. Ein Magdeburger hatte es vorgezogen, die Nacht bei uns zu verbringen und hatte im Traum sein verlassen, um bei uns zu schlafen. Wir hatten den Vorfall erst am frühen Morgen bemerkt, da wir am Abend in verschiedenen Gruppen zum Zelt zurückgekehrt waren. Unsere Beine lagen stets unter- und übereinander und Abend für Abend gab es unzählige Streitigkeiten zu schlichten, bis jeder einen annehmbaren Platz für seine viel zu langen Gliedmassen gefunden hatte. Überhaupt hätte der Ton, in dem wir zusammen verkehrten, recht oft etwas freundlicher sein können. Ich glaube bestimmt, daß die meisten Zelte viel ruhiger und harmonischer zusammenlebten. Bei uns scheint ein gewisser rechthaberischer, angeberischer Ton einreißen zu wollen. Mit etwas mehr Nachgiebigkeit und Zurückstellung seines eigenen Ichs läßt sich mehr erreichen als mit Schreierei und Dickköpfigkeit. –

Der Deutsche ist wegen seines Organisationstalentes in aller Welt berühmt. Nur bei uns im Lager wollte es in dieser Beziehung nicht klappen. Dr. Kestner, der diesen Übelstand gelegentlich eines Besuches selbst zugegeben hat, konnte sich mit der Lagerleitung nicht befassen, da ihm das internationale Jugendlager anvertraut worden war. — Aber diese kleinen Mängel und Übelstände sollen die Größe dieser Tage nicht schmälern. An Stelle des verhinderten Dr. Kestner wurde Paul Weise zum Lagerführer ernannt. Ihm zur Seite standen Wimo Schmalbauch und Sportlehrer Andreas. Letzterer leitete den Tag mit der Frühgymnastik ein. Um 6 Uhr wurde zum Wecken geblasen. Anschließend trieben uns 10 Minuten Frühsport die Müdigkeit aus den Knochen. Wer dann noch nicht wach geworden war, konnte sich beim darauffolgenden Waschen und Baden im Stössensee den Schlaf aus den Augen reiben. Der nächste Punkt unseres Tagesprogramms war Zeltebauen. Darauf folgte einer der wichtigsten Punkte, nämlich das Frühstücken. Das Lager war in 4 Züge eingeteilt. Jeder Zug empfing getrennt seine Rationen, die Abordnungen der einzelnen Zelte zu ihrem Lagerplatz brachten. -Unser Essen war gut und reichlich. Morgens und abends je 1/16 Pfund gute Butter, Wurst, Marmelade, Käse, Eier, Oelsardinen usw. sorgten für Abwechselung. Das Mittagessen war derart mit Fleisch und Speck gespickt, daß viele von uns ihren Überfluß an ihre Kameraden abgaben. Eine bessere Verpflegung konnte man sich nicht denken. Hiervon konnte sich auch ein Teil unserer älteren Mitglieder überzeugen, die uns mit einem Besuch beehrten. Besonders Frau Bergmann konstatierte mit mütterlicher Zufriedenheit, daß ihr Walter und wir alle gut versorgt waren. Natürlich mußten einige wieder etwas auszusetzen haben. Aber Meckerfritzen wird es immer geben. – Wir waren meistens nur zum Essen im Lager. 2 bis 3 Ausmärsche täglich, das war das Übliche. In unserer Freizeit kam unser Sport zu seinem Recht. Wir überquerten den See an verschiedenen Stellen. Die Entfernung bis zum gegenüberliegenden Eiland betrug schätzungsweise 400 und 800 m. Das Wasser hatte die richtige Temperatur und lockte uns immer wieder in die herrlichen Fluten. Auf schmalen Negerpfaden erforschten wir die uns unbekannte Halbinsel, während Traumulus gnt. Paul Schäfer vergeblich versuchte, einen der vielen Schwäne zu erjagen. Kaniballa oder Siegessäule oder Zermürber gnt. Fredy Dockhorn lieferte sich mit unserem Artur Müller unerhört erbitterte Ringkämpfe und Artur Küper fand besonderes Vergnügen daran, seine Kameraden mit Schlamm zu bewerfen, um dann nach einem solchen Attentat Sein Heil in der Flucht zu suchen. So kam auch während der Freizeit jeder. auf seine Kosten. —

Gleich am ersten Tag, wurden wir in das Hauptstadtstadion geführt. Der ungefähr halbstündige Weg war uns bald gut bekannte Um mit unserer langen Kolonne den Verkehr nicht zu behindern, mußten wir die Straßenkreuzungen im Laufschritt nehmen. Dr. Brandt hatte in der Vorschau unserer Monatsschrift wahrlich nicht zu viel gesagt. Die Bauten sind so gewaltig, daß man die Weltpresse voll, und ganz verstehen kann, wenn sie sagt, daß das Land nicht zu beneiden wäre, das nach uns die Olympischen Spiele aufziehen müsse. Aber ich glaube dennoch, die Japaner werden sich ihres Stadions nicht zu schämen brauchen. Allein die Tatsache, daß der Erbauer unseres Reichssportfeldes mit den gleichen Arbeiten in Tokio betraut worden ist, bürgt dafür, daß die Japaner der Welt eine Kampfstätte vorsetzen werden, die sich sehen lassen kann.— Wie gesagt, hatten wir am Sonntag im Hauptstadion Zutritt und konnten dort wundervollen Kämpfen beiwohnen. Wir sahen die schnellen Neger in der 4 x 100 m Staffel, erlebten einen prächtigen Endkampf im Frauenhochsprung und mußten es mit ansehen, wie unsere Frauen in der 4 x 100 m Staffel leer ausgingen. Ein mißglückter Staffelwechsel entriß ihnen die “Goldene”. Tosende Anfeuerungsrufe hatten unsere drei ersten Läuferinnen begleitet. Da fiel beim letzten Wechsel der Stab zur Erde und Totenstille beherrschte im gleichen Augenblick das weite Rund. Keiner konnte es recht fassen. Tausende schauten mitleidsvoll auf die beiden Mädchen, die sich am Rande der Laufbahn weinend in den Armen lagen. — Dann traf der japanische Marathonsieger mit großem Vorsprung im Stadion ein und erntete reichen Beifall. Mit dem Beifall kargten die Zuschauer nie, ganz gleich welcher Nation der Sieger angehörte. Daß die Deutschen in dieser Beziehung natürlich besser abschnitten, ist selbstverständlich. An den folgenden Tagen suchten wir Veranstaltungen fast sämtlicher Sportarten. Wir wohnten dem Fußballspiel unserer Bezwinger, der Mannschaft von Norwegen, gegen die Italiener bei. Ferner zeigte man uns das Spiel zweier amerikanischer Mannschaften im Baseball. Das in Deutschland, unbekannte Spiel ähnelt unserem Schlagballspiel. Wir haben diesem Kampf kein Interesse abgewinnen können und haben es vorgezogen, frühzeitig unser Zelt aufzusuchen. Sehr interessant und vor allem schnell und lebhaft dagegen ist das Baskettballspiel, das wir uns ebenfalls ansehen konnten. Bald hatten wir in Erfahrung gebracht, daß man uns auf Grund unserer „Uniform“ fast an allen Plätzen Eintritt gewährte. An den Toren des Hockeystadions hatten sich viele Schaulustige angesammelt, die aber trotz vieler bitten keinen Einlaß erhielten. Da kamen wir mit einer Gruppe von 6 Mann an. Sofort riß der Aufsichtsbeamte die Eisentür auf und rief den Umstehenden zu: “Machen Sie doch Platz für die Gruppe” Stolz wie Oskar zogen wir in die Arena. Auf diese Art und Weise kamen wir oft ins Schwimmstadion, selbst wenn wir dort garnichts zu suchen hatten.- An einem Nachmittag sind wir nach Grünau gefahren. Von den Rennen haben wir eigentlich wenig sehen können. Man kann nur einen kurzen Teil der Strecke verfolgen. Immerhin sahen wir, wie unser Achter, der sich später die “Goldene” holen konnte, im Vorlauf gegen die Schweiz verlor. — Für eine Nacht hatte unser Zelt 4 Karten für die Boxveranstaltung in der Deutschlandhalle erhalten. Nachdem die jüngeren es vorgezogen hatten, während der Nacht zu schlafen, gewannen O. Degraa, W. Bergmann, Fr. Bierbrodt und H. Mühle durch das Los je eine Karte. Die Kämpfe waren sehr spannend und abwechselungsreich.— Die eindrucksvollste Veranstaltung war wohl das nächtliche Militärkonzert mit dem großen Zapfenstreich. Mit nicht endenwollendem Beifall dankten die Zuschauer unseren Soldaten.— Am häufigsten waren wir natürlich im Schwimmstadion zu finden. Dort haben wir fast allen wichtigen Entscheidungen beiwohnen können. Unser ganzes Interesse konzentrierte sich selbstverständlich auf unseren Jochen. Wir hatten ihm eigentlich den Platz von E. Sietas zugedacht. Sietas erwies sich einmal mehr als der erfahrene Kämpfer, der bis auf die Minute fit war. Jochen schien seine Höchstform überschritten zu haben. Seine Leistung verdient nichtsdestoweniger unbedingte Anerkennung. Oder ist es etwa keine Leistung, sich in knapp einem Jahr von einem unbekannten Schüler zur Weltklasse durchgerungen zu haben? Durch Sprechchöre haben wir unsere Schwimmer angefeuert. Besonders der S.V. „Westfa1en“ unter Führung von W. Handschuhmacher und S. Radeloff entpuppte sich als ganz großer Könner auf diesem Gebiet. Nachstehend einige Sprüche:

  • Jochen Balke hei, hei, hei sei im Endlauf auch dabei;
  • Jochen Balke huit, huit, huit, sprech‘ Du auch ein Wörtchen mit.

Für die Wasserballer:

  • Wollt Ihr Goldmedaillen tragen, müßt Ihr erst die Ungarn schlagen;
  • oder Jungens, jetzt geht ran, denkt an Amsterdam.

Im Zeltlager, als wir im Regen auf den Reichssportführer warteten (in sächsischer Mundart zu lesen:) Wimo sei so weise, befrei’ uns doch aus dieser Sch…

Als Hermann Göring im Stadion eintraf, konnte man folgenden Spruch hören:

Lieber Hermann, das ist schön, daß Du Dich läßt auch mal seh’n.

Einem wahren Hexenkessel glich das Schwimmstadion beim Wasserballspiel Deutschland—Ungarn. Die Ungarn begannen auf ihren Tribünen mit ihrem Schlachtruf. Daraufhin setzte das Ra, Ra, Ra Germania der Deutschen ein, das sich steigerte, bis niemand seinen Nebenmann mehr verstehen konnte. Dieses Getöse währte fast während des ganzen Spieles, das bei strömendem Regen ausgetragen wurde und unentschieden 2:2 endete. Die Ungarn gewannen das Turnier dank ihres besseren Torverhältnisses. So ging uns auch die letzte Chance, im Schwimmen eine “Goldene“ zu gewinnen, verloren. Wir haben keinen deutschen Sieg im Schwimmsport feiern können, wollen uns aber nichtsdestoweniger freuen, daß wir in zahlreichen Disziplinen an die Weltklasse Anschluß erhalten haben. Unsere Kämpfer und Kämpferinnen wie Sietas, Balke, Fischer, Geschwister Arend, Genenger, unsere Wasserballer, Kunstspringerinnen und Kunstspringer haben die Reiben der Japaner, Amerikaner, Holländer und Ungarn durchbrochen. Wunderschwimmer, wie man die Japaner und Amerikaner so gerne nennt, gibt es für uns nicht. Das haben uns die Spiele eindeutig gezeigt und wir wollen hoffen, dar es uns in Tokio gelingt, auch in unserem Sport einige Siege zu erringen.— Der Schlußfeier konnte nur ein Teil unserer Expedition beiwohnen. 100 Krauler waren aus unserem Lager dazu bestimmt worden, an einer Kraulvorführung betitelt “Der Sieg des Kraulstils” teilzunehmen. Ihnen war es vergönnt, im vollbesetzten Schwimmstadion unter dem Lichtdom riesiger Scheinwerfer ihre Kunst zeigen zu können. Jeder der Teilnehmer an dieser Vorführung erhielt eine schwarz—weiß-rote Badehose und Bademütze mit dem Reichsbundabzeichen.— In Berlin—Mitte konnten wir uns nur ganz kurze Zeit aufhalten. In ca. 3 Stunden sahen wir uns einen Teil der Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt an. Unsere Zeit war zu kurz bemessen. Das Programm, das man für unser Lager aufgestellt hatte, war so reichhaltig, daß wir oft nicht wußten, reiche Veranstaltung wir besuchen sollten. Die Abreise gestaltete sich sehr dramatisch. Die Organisation am Potsdamer Bahnhof versagte vollkommen. Stundenlang mußten wir vor dem Bahnhof warten. Dann setzte ein unheimlicher Sturm auf den ankommenden Zug ein. Frauen schrieen, Männer fluchten. Aber wir bewahrten eiserne Ruhe und sicherten uns bequeme Sitzplätze, auf denen wir dann reichlich geschlafen haben.

So verliefen und endeten für uns die Olympischen Spiele. Ein unvergeßliches Erlebnis für alle, eine Aufforderung und ein Ansporn zu neuern harten Training für viele!

Heimü.

V O R A N Z E I G E

Jugendklubkämpfe

zwischen Düsseldorf 09, Gut Naß Elberfeld,

Neptun Erkenschwick und Westfalen Dortmund

am Sonntag, dem 6, Dezember 1936

um 15,30 Uhr im Südbad.

 

Sonntag, dem 18;10., weilten in Elberfeld, um unsere Kräfte mit den besten Westdeutschen Jugendmannschaften, Gut Naß Elberfeld, Düsseldorf 09 und Neptun Erkenschwick, zu messen. ersten Male hatten wir unsere vollständige Mannschaft zur Stelle.

Die 4 x 100 m Kraulstaffel brachte gleich die nötige Stimmung. Küper, Schäfer, Müller und Bachmann erledigten ihren Kurs mit sehr viel Schwung und konnten als erste anschlagen. In der Fortsetzung mußten wir uns dem Gut Naß Elberfeld beugen. Erkenschwick konnte nur den letzten Platz belegen.

Dafür gewannen sie in großem Stil die Lagenstaffel. Da wir den 2. Platz belegten, konnten wir unseren Vorsprung weiter ausdehnen. Dann kam unser Schmerzenskind: die Rückenstaffel. Es gab böse Versager. Haake konnte keine anständige Wende. Dausenschön schwamm sein 3. Rennen und fiel somit aus. Hans Bernhardt hielt sich recht achtbar. Den Schluß machte Bachmann. Er rettete für uns den 3. Platz. Erkenschwick, die auch diese Staffel gewannen, hatten sich bis auf 2 Punkte an uns herangekämpft, doch führten wir immer noch mit 24 Punkten.

In der folgenden Bruststaffel machten die beiden westfälischen Vereine das Rennen unter sich aus. Erkenschwick gewann und hatte unseren Punktevorsprung aufgeholt. Dann kam das Rennen des Tages:  10 x 50 m Kraulstaffel. Die Rheinländer setzten sich mit großem Vorsprung durch. Wir lieferten uns mit Erkenschwick einen harten Strauß. Erst Müller konnte als Schlußmann nach einem großartigen Spurt seinen Gegner besiegen.

Damit übernahmen wir wieder die Führung. In den folgenden Wasserballspielen gewannen die Rheinländer, wie erwartet. Wir teilten uns die Punkte mit Erkenschwick, gegen die wir verloren hätten, zumal Bachmann nicht mehr spielen durfte. So kamen wir zu einem billigen, aber dennoch verdienten Gesamtsieg im Klubvierkampf. Denn von allen Mannschaften zeigten wir die geringsten Schwächen. Während andere Vereine 2 oder 3 Mann in allen Staffeln einsetzen mußten, war es bei uns nur Bachmann.

Man merkte förmlich, daß sich die drei anderen Mannschaften, insbesondere die Rheinländer, intensiv auf den Kampf vorbereitet und auf die Strecken spezialisiert hatten.

Dabei komme ich auf einen wichtigen Punkt. Arbeit auf lange Sicht für den einzelnen ist schön und gut. Darunter leidet die Mannschaft Schaden. Wir sind alle noch jung. Jeder kann sich überlegen, ob er nicht in der einen oder anderen Lage, wenn auch nur nebenbei, dem Verein nützen kann. Vielleicht könnte Schäfer ein wenig Schmetterlingsstil trainieren. Mit etwas gutem Willen könnte Küper eine achtbare Zeit im Rückenschwimmen erzielen. Im Vordergrund steht natürlich immer die Speziallage.

Das war aber nicht der Hauptgrund dafür, daß unser Sieg nur knapp ausgefallen ist. Schwimmerisch waren wir überlegen. Aber es fehlte an Kleinigkeiten. Das Wort Wende taucht da auf. Ich habe wenige von unserer Mannschaft gesehen, die absolut sicher wenden. Das war nur Küper. “Einige lernen es ja nie!“ Das ist eine bekannte Tatsache. Aber es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn diese “Einige“ ausgerechnet bei uns herumhampeln.

Was den meisten fehlt, ist ein klein wenig Überlegung. Es ist kein Kunststück herauszufinden, daß man bei hohem Beckenrand weit springen muß, und hoch.

(Hilberg, Küper!! )

Unsere Fehler sind also nur Kleinigkeiten, die Auswirkungen aber nicht. Wir verloren bei jeder Wende gegen Elberfeld 1 Sekunde, bei jedem Startsprung 1/2 Sekunde. Das machen in einer Staffel, die über 10 x 50 m geht, 15 Sekunden, über 10 x 100 m aber schon 35 Sekunden aus.

Wir haben nun erkannt, wo unsere Sch7ächen liegen, und wollen alles daran setzen, um beim Rückkampf in Dortmund wohlvorbereitet an den Start gehen zu können.

Franz Evers.

Gebietsoffenes Schwimmfest in Witten. (27.9.36.)

Wir kamen, sahen und v e r I o r e n . Hieran waren aber nicht nur unsere schwimmerischen Leistungen, sondern auch einige miß1iche Umstände schuld. Der Reigen wurde durch das 200 m Kraulrennen eröffnet. Den 1. Platz beanspruchte der Duisburger Matthiä, während der einzige Vertreter des Westfalengaues, bei 150 m aufgab. Den nächsten Wettkampf, welchen wir belegt hatten, dieses Mal ist der Verein gemeint, war die 3 x 100 m Lagenstaffel der männlichen Jugend. Es war ein schönes, auch für die Zuschauer packendes Rennen. Den Start machte der gerade aus dem Arbeitsdienst entlassene Kurt Bachmann. Leider konnte er nicht verhindern, daß ihm die Gegner einige Meter „W a s s e r“ abringen konnten. Dieses machte der Brustmann Hans K o c h aber wieder wett, ja es gelang ihm sogar noch einen Vorsprung herauszuholen. Hiermit war der Sieg in unserer Hand. Aber als der Krauler angeschlagen hatte, wurde bekannt, daß wir wegen falscher Wende herausgestellt waren. — Das nächste, für uns wichtige Rennen war das 100 m Jugendbrustrennen. Hier gelang es unseren Vertretern, uns eine freudige Überraschung zu bringen. Fredy Dockhorn konnte unter donnerndem Getose seines Schmetterlingsstiles und dem Beifall der Zuschauer den Sieg nach Hause schwimmen. Es ist nur schade, daß sich seine 100 m mit den 200 m Leistungen nicht decken. Unserem zweiten Vertreter merkte man leider schon die Anstrengungen der vorhergelaufenen Kämpfe an; Hans Koch belegte den 3. Platz. Sehr zweifelhaft war auch der Ausgang der 10 x 40 m Männerkraulstaffel, wo es den Duisburger Amateuren gelang, unseren letzten Mann durch Matthiä um zwei Zehntel Sekunden zu schlagen.

V E R E I N S N A C H R I C H T E N !

Endlich, endlich, hat einer unserer härtesten Junggesellen eine passende Frau gefunden, oder soll sie ihn gefunden haben? Sei dem wie ihm wolle, wir freuen uns über die Verlobung von Julius B r e n n e r mit Fräulein Ilse Hütter. Dem jungen Paar gelten unsere herzlichsten Glückwünsche!

Wenn der Glückwunsch auch spät kommt, so ist er aber deshalb nicht weniger herzlich. Willy V o g t ist Vater eines 2. Töchterchens namens Elfriede geworden. Wir gratulieren von Herzen!

An Grüßen sind eingegangen: von Richard H a h n e und Frau aus Eberbach/Neckar, von unserm Jochen von seiner Englandreise, vom Stammtisch unserer Schwimmkameraden aus Gütersloh und von unserm Häuptling von einem Abstecher nach Olsberg. Wir danken herzlich und geben hiermit die Grüße an alle Kameraden weiter!

R E G E L M Ä S S I G E   S C H W I M M S T U N D E N

im Südbad, Göringstraße:

Dienstags    19,15 bis 20,30 Uhr, Jugend u. Wettkämpfer

Donnerstags  19,15 bis 21,00 Uhr, Herren u. Wettkämpfer

Sonntags     9,30 bis 10,45 Uhr, Damenhalle d. Südbades.

 

M I T G L I E D E R B E W E G U N G

Aufnahmen. Folgende Herren wurden als ordentliche Mitglieder aufgenommen

Name

Beruf

Wohnung

Eingeführt d. Herrn

Heinsius, Pau1

Maler

Dortm.—Husen

Husenerstr.82

 

Flasche, Hugo

Pol. Hauptw. Meister

Arneckestr. 74

 

Kleibauer, Ernst

Verw. Diätar

Dortm. —Bracke1

Flughafen

 

Klostermann, Hans

Schüler

Dortm. -Huckarde

Huckarderstr.300

 

Kostroß, Fritz

kaufm. Lehrl.

Landgrafenstr. 150

Tilly

Marx, Heinr.

Gen.Agent

Brückstr. 11

Bergmann

Morch, Herbert

kaufm. Lehrling

Müllerstr.53

aus der Jugendabteilung

 

Pasel, Horst

Banklehrl.

Kuhstr. 15a

Mühle

Reeh, Wilhelm

Stadtinspektor

Ernst-Eichhoffstr. 17

Isken

Schöner, Heinz

kaufm. Lehrling

Dortm. Hombruch

Hornbruchsfeld 36

Bergmann

Wenzel, Günter

Schüler

Dortm.Huckarde Mengederstr.65

Kleffmann

Westermann,Ew.

Gastwirt

Schuhhof 8

 

Schriftleiter: Theo Sommer, Dortmund, Alter Mühlenweg 77

Druck: Schreibstube L a p p e , Dortmund

            Schwanenwall 31.             Fernspr.37694.

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